(von Frank „Pixel Papa“ Busch, Medienproduktion München)

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann ich das erste Mal auf Blender gestoßen bin… HALT! Bevor ich über Blender rede, muss ich über Bryce und den Pixar Film „Toy Story“ reden. Aber Blender wird später eine wichtige Rolle spielen …

1996 entdeckte ich die 3D Software Bryce. Das war eine Software für Apple User. Damit ließen sich Landschaften computergeneriert in 3D erzeugen. Ich war völlig fasziniert: Damit konnte ich täuschend echte Landschaften bauen (zumindest glaubte ich damals, es sei täuschend echt).

Erste Versuche mit der Software Bryce

Aber schon damals wurde mir schmerzhaft die Bedeutung von „Renderzeit“ klar. Um EIN Bild „täuschend echt“ erscheinen zu lassen, brauchte mein Rechner 20 Minuten. Eine Sekunde Film braucht aber 24 bzw. 25 Bilder. Das hieß also: Um mir eine Sekunde Film anzuschauen, hätte mein Rechner 8 Stunden und 20 Minuten gebraucht. Also rechnete ich fröhlich aus: ein 100-minütiger Spielfilm besteht aus ca. 150.000 einzelnen Bildern. Das hätte für mich die geringe Wartezeit von 2084 Tagen bedeutet, bis ich meinen eigenen Spielfilm gemacht hätte. Knappe 6 Jahre warten, um dann vielleicht festzustellen das der Film eventuell Mist ist? Hm. Ich verließ das 3D Business … zumindest vorübergehend.

1995 – Ankündigung des Pixar Animation Studios Film „Toy Story“. Der erste, rein im Computer entstandene Spielfilm. Ich natürlich in einer der ersten Vorstellungen im Cinemaxx am Potsdamer Platz in Berlin …

BAMM!!! Von der ersten bis zur letzten Sekunde saß ich mit offenem Mund im Kino. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Diese 3D Geschichte zog mich in ihren Bann, denn mir war die ganze Zeit klar, dass das keine putzigen Figuren aus „Fleisch und … Plastik“ waren, sondern merkwürdige graue Punkte und Linien in einem Computer. Das hatte ich in einem Fernsehbeitrag gesehen.

Das war genau mein Ding. Das wollte ich unbedingt machen. „To Infinity and beyond!“

Mmmmh, Problem: Mit welcher Software sollte ich arbeiten, damit ich überhaupt in der Lage war, diese Träume zu verwirklichen? Die empfohlenen Software Pakete kosteten so um die 4.000 bis 5.000 DM. Und wenn dann noch Wasser, Feuer, Haare oder Rauch gebraucht wurde, dann waren nochmal 4.000 DM fällig. 9.000 DM Investition, ohne Auftrag, ohne Ziel ließen meinen Traum in weite Ferne rücken.

Und jetzt kommen wir zurück auf Blender …

Irgendwo in den Weiten des Internets las ich von einer kostenlosen „Open Source“ Software mit dem Namen Blender. Am 01. Januar 1998 vom holländischen Software-Entwickler Ton Roosendaal zum kostenlosen Download ins Netz gestellt. Eine voll funktionsfähige 3D Software? Mit allen nötigen Werkzeugen, um Figuren zu erschaffen? Landschaften zu bauen? Und dafür kein Geld bezahlen?

No way – das erschien mir unmöglich. Wie die alten Sturköpfe schon immer sagten: „Was nix kostet, is nix wert!“  Aber wenigstens mal ausprobieren wollte ich die Software schon…

Erste Versuche mit Blender

Und los gings… Boah!!! Was sollte das alles heißen? Weight Paint, Texture Paint, Vertex Paint, Sculpt Mode, Edit Mode, Object Mode??? Und jeder dieser Punkte hatte noch mal 25 Unterpunkte. Okay, also so einfach ist 3D dann wohl doch nicht. Und weil meine ersten gebauten Figuren nicht im Entferntesten wie die Vorbilder aus Toy Story aussahen, verließ mich nach ein paar Wochen experimentieren mit Blender der Mut. Und meine 3D Karriere schien schon wieder beendet, bevor sie gestartet war.

Die Jahre vergingen, aber immer wieder schaute ich bei blender.org vorbei. Ich war schon neugierig, wie sich die Software entwickelte. Und ich glaube, durch Bilder wie das Nachfolgende wurde mir klar: Wenn Andere mit Blender solche Bilder hinbekommen, dann ist nicht die Software daran schuld, dass meine Bilder nicht überzeugend sind.Benzinkanister mit Blender gemacht

Also fasste ich den Entschluss: OK, wenn 3D, dann muss ich das quasi ab dem Urknall lernen. „Pain in the ass“ für einen fast 50ig jährigen – aber am Ende wird es sich lohnen. Lebenslanges Lernen, hat doch was.

Vier Jahre und sehr viele 3D Online Kurse später traute ich mir den ersten ernsten Job zu. Produktdesign für ein Gastrogerät namens „Ordercube“. Das hatte zwar noch nichts mit meinen geliebten Figuren zu tun, aber immerhin konnte ich zeigen, was ich über Modeling, Materialien und Licht gelernt hatte. Der Kunde war glücklich, ich war glücklich. Zum ersten Mal war etwas Professionelles aus Blender entstanden:

3D-Modell OrdercubeBlieb aber immer noch der Wunsch nach „Toy Story“ – ähnlichen Figuren. Aber in welchem Zusammenhang und welche Figuren?

Vor zwei Jahren hatten meine Frau Doris und ich eine Idee für eine Video-Serie. Wie wäre es, wenn ein Bierkrug und zwei Kerzen nachts in einem bayerischen Wirtshaus zum Leben erwachen und sich über das unterhalten, was sie am Tag am Tisch erlebt haben. Klingt lustig – ist lustig.

Vor allem ist es nach einer sehr langen Zeit endlich das Projekt, auf das ich so lange gewartet habe. Und: ich bin in der Lage, das auch hollywood-like umzusetzen. Das freut mich und macht mich sehr glücklich. Seitdem bin ich der „Pixel Papa“.

3D-Projekt Dimpfi

Im nächsten Blogbeitrag:  Die Geburt von Dimpfi, Kurti und Lurti! 

Bis dahin, bekommt keinen Renderwahn,

Euer Pixel Papa