So, nun hatten wir also unsere Idee für das „Dimpfi, Kurti und Lurti“- Projekt. Wie’s kam, könnt Ihr hier nachlesen.

Das blöde an guten Ideen ist nur, dass sie noch umgesetzt werden müssen.

In einer Traumwelt würde ich morgens in mein Büro gehen, hätte ein Meeting mit meinen zehn Head of 3D Department-Kollegen und würde ihnen die Dimpfi-Idee um die Ohren hauen. Die Chefdesigner würden dann nach dem Meeting unsere 50 angestellten 3D-Designer heiß machen und los geht’s mit unserem Major Project. Weltweit, synchronisiert in 120 Sprachen und mit einem Budget von 180 Millionen Dollar. Sollte doch eine runde Sache werden.

Traumwelt aus! Ich sitze allein am Rechner …

Wir überlegen also erst mal, wie unsere Figuren überhaupt aussehen sollen. Wie sieht der Bierkrug aus? Tagelang sammele ich zig Bilder von Bierkrügen. Die Kerzen müssen noch warten. Nichts überzeugt uns so richtig. Wahnsinn? Der Wahnsinn beginnt …

Wochen später, an einem schönen Samstagabend, sitzen wir bei meiner Schwiegermama beim Essen. Als ich ein paar Gläser aus dem Schrank holen will, fällt mein Blick auf einen Bierkrug aus Glas … „Du schau mal. Wäre das nicht ne großartige Form für unseren Dimpfi?“ Doris ist begeistert. Meine Damen und Herren, darf ich vorstellen: Dimpfi ist in seiner Grundform geboren:

Der Sonntag ist damit natürlich hinüber. Fotos von allen Seiten vom Krug werden gemacht. Sofort lade ich die Fotos in Blender, unsere 3D Software. Ich will die Grundform in 3D nachbauen, damit es endlich losgehen kann mit der Produktion. Der jetzt folgende Prozess wird „Sculpting“ genannt. Beim Sculpting ist es so, als ob eine Form aus Ton gebaut würde. Zwar digital, aber trotzdem formbar wie Ton. Nachfolgend ein paar Bilder aus dem Entstehungsprozess:

So, unsere Ton-Form ist nun fertig. Das hat schon mal diverse freie Abende und freie Wochenenden gekostet. Wahnsinn? Ziemlicher Wahnsinn!

Der nächste Wahnsinn ist nämlich, dass diese mühsam erstellte Form nicht weiter zu benutzen ist. Sie ist zu schwer zu bearbeiten für den Computer. Also muss eine leichtere Version nachgebaut werden, die aber annähernd so aussieht. Dieser Prozess nennt sich „Retopology“. Auf die zu dichte (schwarze) Sculpt-Schicht wird Punkt für Punkt ein Gitter aufgetragen. So großmaschig wie möglich, aber so kleinteilig wie nötig, damit unser Krug wieder so aussieht wie die Skulptur. Tage später ist die Form wieder nachgebaut:

Wenn wir uns das Ganze mal „gerendert“ anschauen wollen, also so, wie das Bild später aus dem Computer kommt, dann sieht das so aus:

Ich würde mal sagen: „good job so far“ … Jetzt fehlen nur noch zwei Kerzen, eine Kneipe mit 50 Stühlen, 8 Tische, Lampen, Glühbirnen, Bilder, Fußboden, Fenster, Bänke, Kerzenflammen, Bierflaschen, Kronkorken… Aaaaaaaaaaaaah

Wahnsinn? – Der totale Wahnsinn!!  Aber es lohnt sich. Oder?: